Was tun, wenn der Sex fehlt?

Bei CareConsulting fand ich heute den einen Artikel, der sich mit dem mutigen Verhalten eines österreichischen Seniorenheims auseinandersetzt, welches eine Prostituierte für einen besonders unbefriedigten Einwohner ins Heim kommen ließ.

Dort sind auch Links zum Thema „Sexualbegleiter“ und „Surrogatpartner“ vorhanden, in die ich mich kurz eingelesen habe. Die beiden genannten Personenrollen bzw. Funktionen kommen – wenn überhaupt – bisher für kranke Menschen und Menschen mit Behinderungen zum Einsatz, um hier dem Grundbedürfnis nach menschlicher Nähe und Sexualität Raum zu geben. Das gefällt mir, das finde ich gut – totschweigen kann man das Thema Sex nämlich nicht.

Es ist aus meiner Sicht übrigens nicht mehr einzusehen, warum eine mehr als offensichtliche Lösung (aktive sexuelle Fachbetreuung) dieses bisher in der Öffentlichkeit ignorierten Themas in den meisten Ländern noch als anrüchig und/oder nicht oder nur eingeschränkt bezuschussungsfähig seitens der Träger eingestuft wird. Im Falle eine Trägerschaft muß natürlich stets die Bedarfssituation geprüft werden, aber wenn ich sehe, was deutsche Krankenkassen heute schon alles abrechnen, würde ich doch eher für mehr Sex und für weniger Medikamente plädieren.

Und das nicht nur für Schwerkranke und Behinderte, womit ich beim eigentlichen Kern dieses Postings angelangt bin. Aufgrund meiner eigenen privaten „Feldforschungen“ zum Thema „Sex“ bin ich über die Jahre zu der Ansicht gelangt, daß sexbezogene Defizite auch bei vielen als nicht-behindert eingestuften Menschen vorhanden sind. Diese Defizite schlagen sehr wohl auf das allgemeine Wohlbefinden durch und äußern sich eher in einem allgemeinen Unwohlsein denn in einer konkret benennbaren Krankheitssituation.

Meine Erfahrungen beschränken sich ausdrücklich auf Frauen. Die meisten Kontakte kamen über das Internet zustande und wurden durch persönliche Treffen oder Telefonate als tatsächlich weiblich verifiziert. Meine nicht-systematischen Befragungen dieser Damen ergaben unter anderem recht häufig den Hinweis, daß der eigene Partner (sofern vorhanden) zum damaligen Zeitpunkt als wenig aufmerksam und vor allem wenig befriedigend in sexueller Hinsicht eingestuft wurde.

Daher war die Bereitschaft seitens der Damen, daß ich ähnlich den beiden oben genannten Rollen/Funktionen aktiv wurde, sehr ausgeprägt. Mir fiel bereits damals auf, daß ich viele Frauen außerdem über einen gewissen Zeitraum quasi aus der Ferne begleitete, bis sich in ihrem Leben große Änderungen der Rahmenbedingungen ergeben hatte. Daraus ergab sich in den meisten Fällen auch eine neue Partnerschaft oder ein neuer Lebensabschnitt – oder am besten beides.

Aufgrund meiner damaligen Lebensumstände habe ich die Rolle dankbar angenommen. Mittlerweile habe ich den Rahmen geändert, bin in eine andere Stadt gezogen, und versuche mich nun an einer Selbstständigkeit.

Im Rahmen der Existenzgründungsplanung im Herbst letzten Jahres blitzte für einen kurzen Moment auch der Gedanke durch meinen Kopf, meine damalige obige Tätigkeit als Ausgangspunkt meiner neuen Selbstständigkeit zu verwenden.

In Richtung Callboy wollte ich mich allerdings nicht verändern. Mein eigener Anspruch ging und geht mehr in die Richtung, das persönliche Erleben der Frauen zu verändern, ihnen Möglichkeiten zu geben, sich selbst in sexueller Hinsicht auszuprobieren, ohne Angst vor der damit einhergehenden Veränderung zu haben. Mir gefiel die Idee grundsätzlich, weil ich das Thema „Sex“ über die Jahre als kraftvollen Lebensbegleiter kennenlernen durfte. Wenn eine Frau wieder richtig aufblühte und vor wiedererwachter Energie nur so strotzte, fühlte sich das auch für mich gut an.

Meine Herbst-Idee setzte daher an der Stelle an, an der es nach meiner Ansicht noch mit am meisten hapert: dem öffentlichen Sprechen über Sex. Wer nicht oder nur sehr verhalten darüber spricht, kann auch nur schwer ausdrücken, was er will, was er sich wünscht, was er begehrt. Daher konzipierte ich im Geiste Kleingruppensitzungen mit maximal drei oder viel Teilnehmerinnen, die sich dem Thema über das gegenseitige laute Vorlesen von erotischen oder eindeutig sexuellen Texten nähern sollten. Es ging also auch darum, die eigene Stimme auszuprobieren. An weitergehende Surrogatpartnerhandlungen dachte ich noch nicht. Es war erstmal die Idee, an die ich mich mangels geeigneter Vorbilder nicht heran wagte.

Und heute nun lese ich den Artikel bei CareConsulting und stelle fest, daß ich mit meiner Idee nicht so ganz neben aktuellen Entwicklungen liege. Dort liegt der Fokus auf denen, die sich nur schwer selbst helfen können (wenn überhaupt), aber die Zielsetzung ist die gleiche: Menschen sexuelle Befriedigung verschaffen, ohne eine personengebundene Partnerschaft zu haben. Und dieses eben nicht nur als rein monetäre orientierte Handlung mit Gewinnerzielungabsicht, sondern auch und gerade unter Einbeziehung der persönlichen Lebensaspekte.

Ein neuer Startpunkt ist gesetzt durch diese Hinweise aus einem „Nachbarfeld“. Die Gedanken in diesem Posting mögen ein wenig wirr sein, aber sie erfüllen ihren Zweck – für mich. Dranbleiben und schauen, was ich tun kann – oder ob ich es lassen sollte. Schließlich bin ich kein ausgebildeter Therapeut, sondern nur ein lebenserfahrener Laie, was den medizinischen und psychologischen Teil angeht.

Schauen wir mal.

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