Sex-Vorschriften gehören nicht in Arbeitsverträge

Er hätte einiges beizutragen zu den aktuellen Themen der Zeit: „Wir haben eine Bundeskanzlerin, die ist wieder verheiratet. Wir haben einen Außenminister, der jetzt gerade eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen ist. Sollte es wirklich so sein, dass Kirchenangestellte, wenn sie geschieden sind, nicht so leben dürfen wie die Repräsentanten des Staates? Das kann ich mir nicht vorstellen.“

(Quelle: Urteil: Kündigung wegen Ehebruchs ist rechtswidrig | tagesschau.de)

Endlich mal ein zeitgemäßes Urteil! Mir war es schon seit Jahren schleierhaft, warum die katholische Kirche ihren Mitarbeitern in die persönliche private sexuelle Lebensführung reinpfuschen darf – und von Staats wegen durfte. Das ganze diesbezügliche Geseiere vom Tendenzbetrieb kann ich nicht mehr hören, vor allem wenn dadurch hinten herum Menschen- und Arbeitnehmerrechte ausgehebelt werden und wurden. Solange die geschuldete Arbeit gemäß Arbeitsvertrag geleistet wird, darf und kann nach meiner Ansicht niemand darüber hinaus gehenden Gehorsam verlangen, vor allem nicht für das persönliche Sexualverhalten.

Warum lassen sich eigentlich überhaupt noch soviele Menschen von der katholischen Kirche knechten? Doch nur, weil man ihnen neben der geistliche Macht auch die weltliche Macht in Form von Geld und Besitz überlassen hat, mit der sie heute nicht nur mehr Gutes tun. Ohne dieses Druckmittel wären sie bald auch nur eine von vielen Kirchen …

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Neue Entertainment-Ideen

Auf dem Rückweg nach Haus kamen mir eben diverse in National-farben bemalte Menschen entgegen. Einige davon waren bestimmt auf dem Weg zu einem in Deutschland so schräg wie falsch getauften Ereignis namens „Public Viewing“ – welches ich definitiv nicht besuchen werde. Dazu bin ich zuwenig deutschtümelnd oder auch zu wenig offen für hetero-konservativ geprägte Sportereignisse.

Mir hingegen würde eine Veranstaltung namens „Public Fucking“ deutlich besser gefallen. 😉

Und wenn ich schon bei Austeilen bin … „Germany’s Next Fuck Model“ wäre durchaus eine Sendung, die ich mir anschauen würde – und nicht diesen Schlaffi-Kram mit irgendwelchen Modekindern.

Illusionskunst

Illusion ist das Wichtigste beim Sex, verriet mir einmal ein professioneller Sexarbeiter, nach eigenen Angaben „Callboy“ und Zuhälter, der in der Stadtbibliothek nach Prousts „Im Schatten junger Mädchenblüte“ griff.

(Quelle: Telepolis: Der zeitgenössische Kult der pneumatischen Busen)

Äh. Ja! Der Rest des Artikels handelt dann von was anderem, vorzugsweise von der optischen Selbstanpassung von Frauen an komische gesellschaftliche Leitbilder.

Wikipedia: Vulva-Fotos sind gefäääährlich

In der Nacht zum Sonntag des 21.03.2010, 0.00 Uhr, geschah es: Die Hauptseite der deutschsprachigen Wikipedia hatte zum „Artikel des Tages“ den Beitrag „Vulva“ gekürt und mit der dortigen Abbildung einer solchen illustriert. Es dauerte erstaunlicherweise 23 Minuten, bis im entsprechenden Forum ein anonymer Beitrag den Auftakt einer Diskussion lieferte, die bereits gegen 3.00 Uhr ein beachtliches Ausmaß annahm und unversöhnliche Positionen offenbarte. Die Druckversion der Diskussion sollte es schließlich auf über 130 Seiten bringen, die gelöschten Beiträge sowie solche in diversen [extern] parallelen Diskussionen mal außen vor gelassen.

(Quelle: Telepolis: Wikipedia: Feuchtgebiet 2.0)

Oben zitierten Artikel ist eine kompakte Zusammenfassung der Ereignisse rund um das Auftauchen des Fotos. Für mich persönlich ist es schwer begreiflich, warum die Foto-Platzierung überhaupt noch so umfangreiche Diskussionen auslösen kann.

Zufälligerweise sind nämlich 100% aller Menschen einer Vulva entsprungen, insofern sehe ich da wenig Beeinträchtigungspotential in der kindlichen Entwicklung, wenn es um enzyklopädische Abbildungen geht. Und eigentlich sollte man Kinder und Jugendliche nicht vor Vulva-Fotos, sondern vor kinderfickenden Erwachsenen schützen. Das wäre ein dringender zu lösendes Problem, wie dieser Tage die vielen Berichte von Übergriffen katholischer Mitarbeiter und von Lehrpersonal nachdrücklich aufzeigen.

Mit einer Vulva wird jeder Mensch auf diesen Planeten mal zu tun haben – als Besitzerin, oder als männlicher Sexualpartner im gegenseitigen Einverständnis. Mit einem Kinderficker sollte man nie was zu tun haben müssen.

Un-Boes-e Erkenntnis

sueddeutsche.de: Die Dame leitet eine Beauty-Beratungssendung im Fernsehen. Es ist die einzige Figur, bei der es nicht primär um Sex geht. Warum ist das bei allen anderen Rollen so wichtig?

Boes: Sex ist nun mal das, was die Menschen beschäftigt. Solange die Welt sich dreht, wird es immer ein wichtiges Thema bleiben. Die Frau hat ja nicht immer so viel Glück in vielen Dingen und hier werden auch die typischen Frauenrollen im Fernsehen selbst karikiert.

(Quelle: Gespräch mit Mirja Boes – „Ich kann ganz schlimme Sachen gucken“ – Medien – sueddeutsche.de)

Tja, lieber Kinder, wer hätte das gedacht? Es gibt Menschen, denen es primär um Sex geht. Entspricht auch meiner eigenen Wahrnehmung. Interessant daran ist für mich vor allem, wie die meisten damit umgehen. Auch wenn viele diesen Umstand zu verdrängen versuchen, so sind ihre Gedanken doch oft auch indirekt mit diesem Thema beschäftigt.

Mode und Kosmetik haben keinen anderen wesentlichen Zweck, die persönliche Attraktivität zu steigern. Denn wenn sich alles streng nach dem reinen Leistungsprinzip orientieren würde, wäre das Aussehen egal, weil nur die abgelieferte Leistung alleine zählen würde. Tut sie aber nicht.

Jeder von uns weiß, dass er/sie der geilen Kollegin/dem geilen Kollegen kaum einen Wunsch abschlagen könnte, sobald sie/er auf uns zukommen würde. Fast jeder kennt das Gefühl, etwas gekauft zu haben, weil das Verkaufspersonal einen geschickt mit persönlichen Reizen umgarnt hat – nicht weil das Produkt so außergewöhnlich gut war. Und das war dann sexuelle Attraktivität im Live-Einsatz. Wir reagieren, weil unserer Gegenüber bewusst darauf setzt, dass wir instinktiv reagieren, nicht sachorientiert.

Außerdem werden wir medial von Kindesbeinen darauf gedrillt, sexuell orientiert zu denken. Habe gestern beim Arzt mal nach vielen Jahren wieder in einer BRAVO geblättert. Es ging fast nur darum, welcher Star welches Aussehen aufweist, wer mit wem gerade vögelt, wer nun mit wem gerade nicht, und alles rund um das Thema „sexuelle Aufklärung“ ist ja sowieso die Dr. Sommer-Domäne im deutschsprachigen Teenie-Raum.

Die Aufmachung des Blattes war klar auf die Teenager-Zielgruppe ausgerichtet. Aber was diese Zeitung mit den Yellow-Press-Blättern deutlich gemeinsam hat, ist die Fokussierung auf das Kernthema, wer gerade mit wem fickt. Jeder Bericht über ein Paar ist in erster Linie die Rückmeldung, dass die beiden es noch miteinander & exklusiv treiben. Sobald einer von beiden aus der Beziehung ausbricht, ist das die nächste Meldung. Und sobald der Ausbrecher entweder a) wieder zurückkehrt oder b) mit einer anderen Person gesichtet wurde, ist wieder klar, wer mit wem vögelt.

So langsam begreife ich, warum mich alle Medien, die sich primär diesem Thema widmen, nicht konsumiere. Es ist mir schlicht und einfach egal, zu wissen, welcher mir persönlich unbekannte Mensch mit wem vögelt. Ich kenne diese prominenten Menschen nicht selbst, und daher ist mir ihr Sexual-Verhalten auch vollkommen wumpe.

Außerdem diskutiere ich im Freundes- und Bekanntenkreis lieber über Möglichkeiten, wie man den eigenen sexuellen Genuss steigern kann. Mit wem das dann passiert oder besonders gut gelingt, ist dabei ziemlich sekundär. Hauptsache, es kommt zu einer echten Befriedung, gerne auch längerfristig.

News: Frauen treiben es gerne lange, ausführlich und wollen darüber sprechen

(…) Nur wenn sich beide Partner regelmäßig und gezielt mehrere Stunden Zeit für Zärtlichkeit nähmen, ließe sich über die Jahre eine erfülltes Sexualleben gewährleisten, so der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch.

(…) «Der moderne Mann ist oft gehemmt und scheu und würde intime Dinge gern im Geheimen abwickeln. Frauen wollen aber darüber reden.»

(…) «Das zentrale Problem in vielen Beziehungen ist nach wie vor mangelnde Kommunikation über Sexualität. Wir haben in Deutschland keine angemessene Sprache für das, was Tatsache ist», erklärte Sigusch. Auch würden viele Frauen heute noch immer nicht über ihren Körper Bescheid wissen, geschweige denn die Männer.

(…) Diese längere Lebenserwartung werde sich in Zukunft in veränderten Partnerschaftsstrukturen niederschlagen: «Die Polyamorie, also das Zusammenleben mit mehreren Partnern gleichzeitig, wird zunehmen.»

(Quelle: ZEIT ONLINE: Wissenschaftler: Guter Sex will Weile haben)

Für diejenigen, denen Volkmar Sigusch noch kein Begriff sein sollte: es handelt sich bei ihm um einen der bedeutendsten Sexualwissenschaftler in Deutschland. Leider wurde im Rahmen seiner alterbedingten Ausscheiden aus dem von ihm geleiteten Frankfurter „Instituts für Sexualwissenschaft“ das selbige 2006 nicht mehr weitergeführt.

Nun zu seinen eigentlichen Aussagen. Ja, ja, und nochmals ja! Ich stimme ihm in ALLEN Aussagen vorbehaltlos zu, was ein eher seltener Schritt für mich ist. Aber meine eigenen Lebens-Erfahrungen haben zu den gleichen Schlussfolgerungen geführt. Oder besser – anfangs habe ich mich dazu verführen lassen. Später wurde ich dann selbst zum Verführer – und habe darüber und dabei gesprochen. Und nicht geschwiegen.

Was anfangs Frauen noch verwundert(e), wurde und wird dann sehr oft mit großer Freude angenommen. Einfach mal über Sex sprechen, sich austauschen, darüber diskutieren – als Thema! Außerdem lässt sich auf dieser Weise der gemeinsame Sex auch verlängern – ein Wechselspiel von Kommunikation und sexuellem Handeln erzeugt eine angenehme „Welle“, auf der sich freundlich ganze Tage miteinander verbringen lassen. Hätte ich stets nur stumm wie eine Sprotte in der Kiste meine „Nummer“ durchgezogen, wäre es für beide Teilnehmer wohl deutlich weniger angenehm verlaufen.

Ach ja, liebe mitlesende Männer – ich habe dabei nicht meine wie auch immer geartete Männlichkeit verloren, als ich mich verstärkt darauf konzentrierte, es für die jeweilige Frau mehr als nur angenehm zu gestalten. Frei nach dem Motto: „gebe ich mit offenem Herzen viel, dann bekomme ich auch viel zurück“ ist die ganze Palette von zart bis hart durchspielbar. Mal bin ich dominanter, mal eher devot, wenn ich mal diese Schubladen bemühen darf.

Und ich lege mich nicht fest auf eine Rolle oder Strategie. Das kommuniziere ich auch: Sex hat was mit momentaner Stimmung und Umgebung zu tun – auf beiden Seiten. Daher kann Sex gar nicht immer gleichförmig verlaufen, denn ansonsten wäre ich ein mehr oder weniger gefühlsloser und un-empathischer Klotz.

Forschen, schauen, spielen – Körpererfahrungen machen gehört einfach zu einem guten sexuellen Selbstwertgefühl dazu. Scheinbar geht das vielen Frauen immer öfters verloren. Daher animiere ich auch zur Selbsterforschung, Selbsterfahrung und natürlich zur Selbstbefriedigung. Aber nicht das schnell hingehuschte Nümmerchen, sondern die ausführlich Beschäftigung mit dem eigenen Körper, denn der hat mehr zu bieten als Loch und Titten, um es mal sehr direkt auszudrücken.

Für die Polyamorie erwarte ich ähnlich wie Sigusch eine deutliche Zunahme. In all den Jahren sind mir immer mehr Frauen untergekommen, die sich nicht nur mit einem Partner zufrieden gegeben haben, sondern durchaus mit mehreren engere Beziehungen pflegten, mal offen, mal verdeckt. Aber immer war die Haupttriebfeder, sich mit allen gut zu verstehen, jedem auf seine Art.

So, und wie zerren wir nun die ganzen (noch) unverständigen Männer mit ins Boot?

Warten auf den besten Sex, den besten Partner

Sie werden Mitglied in Liebesgruppen, Liebessekten. Sie nehmen an Orgien teil. Sie sind Mitglied in Orgienvereinen, Swingerclubs. Sie weigern sich, länger als eine Woche unglücklich zu sein – und trennen sich also. Sie weigern sich, länger als zwei Stunden ihre Sehnsucht auszuhalten – und haben Sex mit Unbekannten. Sie sitzen onanierend vor dem Computer.

(…)

Es gehört zum evolutionären Programm vieler partnerwählender Säugetiere, die Entscheidung für einen Partner so lange wie möglich hinauszuzögern. Das Sprödigkeitsverhalten, wie Tierforscher sagen, also Warten auf etwas Besseres, ist durchaus vernünftig.

(Quelle: Tagesspiegel: Wir sind so frei, von Sven Hillenkamp)

Auch wieder ein schöner nachdenklicher Artikel.