Sexualassistenz reloaded

Erst lese ich in der Berliner Zeitung den Artikel Sexualbegleiterin Anna: Für viele Pflegebedürftige bin ich die erste Nackte im Leben, und wenige Minuten findet meine digitale Fernsehzeitung „TV Browser“ dann den Film The Sessions – Wenn Worte berühren, der heute Abend im Bayerischen Fernsehen gezeigt wird.

Mein eigener Artikel Was tun, wenn der Sex fehlt? zu diesem Thema ist schon bald 9 Jahre alt.

Ist die Zeit endlich reif dafür? Wäre wünschenswert.

 

2017-01-19 18:57:26 – Nachtrag nach dem Ansehen des Films und späterem Nachdenken über zwei Aussagen der weiblichen Hauptfigur Cheryl:

  1. Sie begrenzt die Anzahl der Sitzungen auf maximal sechs.
  2. Der Unterschied zwischen Ihr und einer Prostituierten wäre, dass die Prostituierte will, dass er als Besucher wiederkommen würde. Sie will das nicht. Sie will ihm beibringen, seine eigenen sexuellen Gefühle kennen zu lernen, damit er sie mit einer zukünftigen Partnerin teilen können sollte.

Neue Entdeckung: Berührungen machen Sex sinnlicher!

Eigentlich fand ich das Vorspiel beim Sex immer lästig. Bis Christian kam und ich lernte, dass Sex durch die perfekte Berührung fantastisch wird. Schön war Christian nicht. Aber eins konnte er wie kein Zweiter: anfassen! Wenn seine Hände über meinen Körper flirrten, spürte ich die Lust an tausend Stellen. Er ließ mir kaum Zeit, mich an ein Hochgefühl zu gewöhnen – in der nächsten Sekunde überraschte er mich bereits an einer ganz anderen Stelle und schickte mich von einer Ohnmacht in die nächste.

(Quelle: Vorspiel: Besserer Sex durch perfekte Berührung – FIT FOR FUN)

Phan-tas-tisch! Un-glaub-lich! End-lich! Eines Tages würde der Durchbruch kommen, war mir schon länger klar!

Obigen Artikel entdeckte ich vor ein paar Tagen, las ihn durch – und kam mal wieder aus Staunen nicht heraus. Dann habe ich ihn beiseite gelegt, weil ich seinen „neuen“ Erkenntnisse im Grunde als banal einstufte. Aber etwas daran hat mir dann doch keine Ruhe gelassen, daher nun dieses Posting.

Als ich den Artikel zum ersten Mal gelesen habe, fühlte ich mich als sexuell aufmerksam handelnder Mann bestätigt in meinem Tun, denn die Beschreibung des Tuns und der Reaktionen darauf passte sehr gut auf meine eigenen Erfahrungen mit diesem Vorgehensweise. Fein, da fühlte ich mich gut gebauchpinselt, wozu also darüber schreiben?

Als ich ihn nun wieder durchgelesen habe, habe ich mich stärker auf das Umfeld des Artikels konzentriert – die Webseite einer Fitness-Zeitschrift. Das war es nämlich, was mir keine Ruhe gelassen hatte. Jetzt erzählt also eine Fitness-Zeitschrift, die nichts anderes zu tun hat, als ihre Leser/innen ständig nur auf ihren Körper zu reduzieren, genau diesen etwas über das Berühren des GANZEN Körpers? Man erklärt nun also Menschen, die alle möglichen und unmöglichen Muskeln trainieren, dass sie nicht nur diese haben, sondern auch eine alle bedeckende Haut, die für’s Anfassen überall sehr empfänglich ist?

Au weia. Wenn Menschen es nicht mehr aus eigenem Antrieb schaffen, sich gegenseitig durch vielfältigste Berührungen körperliche und seelische Freude zu geben und dann solche Anleitungen brauchen, ist eigentlich ein ziemlicher Tiefpunkt in der menschlichen Entwicklung erreicht. Vor allem der Hinweis, man möge doch die Fantasie spielen lassen, erschütterte mich am meisten.

Aufgrund meiner eigenen Entwicklung, die Fantasie & Spieltrieb schlicht aus reiner Neugier auf die Reaktionen des Gegenübers eingesetzt hat, wunderte es mich noch viel mehr. Ich bekam nämlich keine massive Ablehnung zu spüren, sondern eher dezente Hinweise, was geht und was nicht. Außerdem habe ich den Mund nicht nur zum Lecken, Lutschen und Küssen, sondern auch zum Fragen benutzt. Wer nicht fragt, bleibt dumm, wie es bereits eine populäre Kindersendung in den 70er Jahren auf den Punkt gebracht hat.

Es steckt also kein Hexenwerk dahinter, auch wenn ich durch viele Gespräche mit Frauen immer wieder den Eindruck bekomme, dass zumindest ein Teil der Männer sowas glauben könnte. Männer, wacht auf! Frauen sind keine Werkstück, dass man einfach in eine Werkbank einspannt, um sie dann an den „richtigen“ Stellen zu bearbeiten. Solche Anleitungen wie in der „Fit for fun“ sollten eigentlich nur der Rettungsanker für die ganz Doofen sein, aber alle anderen sollten selbst mal ausprobieren, worauf ihre Damen alles so stehen. Und das ohne Buch, Heft, Magazin, Porno, Sex-Toys und ähnliches – einfach mal gucken, schauen, forschen.

Ihr werdet Euch wundern … 🙂

Pornodreh-Fotos mal anders

Heute fiel mein Blick bei einer Suche im Badezimmerschrank auf den hinten im Schrankfach stehenden Dildo. Ihn hatte ich vor Jahren zusätzlich zu dem dicken Jelly-Dildo gekauft, nachdem Besucherinnen sowohl der Chemie-Gestank als auch die Größe (4,5 cm Durchmesser) des Jelly-Pimmels nicht wirklich zusagten:

(Klick mich!)

In der Kleinen Freiheit hatte ich diese Woche auch eine kurze Diskussion mit der Besitzerin über die oft mangelhafte Material-Qualität von Dildos geführt und schaute mir daher diesen Dildo mit anderen Augen an als früher. Er war zwar bisher nicht durch übermäßigen Gestank aufgefallen, aber ich wollte lieber mal nachprüfen, ob es Negativ-Aussagen über dieses Produkt geben würde. Also drehte und wendete ich ihn auf der Suche nach einem Herstellernamen und fand einen Namenszug auf der Seite – Swedish Erotica.

Mittels einer Suchmaschine fand ich auch eine Firma gleichen Namens, deren Schriftzug sogar recht ähnlich war – sie stellt allerdings nur Filme her. Also kein Treffer im Sinne der Hersteller-Findung. Ich wollte schon die Seite wegklicken, doch dann erregte der Link auf „Behind the Scenes“ mein Interesse.

Neben den üblichen Blondsexbomben, Dauerstechern und Ewiggeilchen (ja!) fanden sich auch zwei untypische Fotos dort:

Ich sehe diese Fotos als eine subtile Unterminierung des Mythos vom dauerpotenten Stecher, den es in der Realität eher selten gibt, in Pornofilmen aber wie Sand am Meer. Eingebettet in das übliche langweilige Umfeld sind diese Fotos schon geradezu künstlerisch.

Dem Hersteller des Dildos bin ich übrigens noch auf der Spur, mittlerweile habe ich zwar Händlerseiten im WWW gefunden, aber noch keine Produzentenseite mit Materialangaben. Ich bleibe dran.

Nachtrag, 07.04.2007, 15:34 Uhr:
Der Jelly-Dildo ist schon vor längerer Zeit in die Mülltonne gewandert, nachdem er jahrelang sinnlos im Schrank gestunken hat. Immerhin wurde ein paar Mal benutzt, was der daumengroße Anal-Dildo nicht von sich behaupten konnte – der wurde ausgepackt, mit Nasen-Entsetzen zur Kenntnis genommen und stellte sich als nicht umtauschfähig heraus. Ist auch in den Müll gewandert, später, nach der Anstandswartefrist für Neueinkäufe.

Nachtrag 2, 07.04.2007, 15:41 Uhr:
Der oben verlinkte Wikipedia-Artikel über Jelly hat sehr schöne weiterführende Links rund um das Thema „gefährliche Sexspielzeuge“.

Sexlos glücklich (TV-Tipp)

Sexlos glücklich (NDR, Sonntag, 15:45 Uhr)

Karl und Brigitte: die Liebe ist noch da, aber der Sex hat sich lange verabschiedet.

Karl und Brigitte leben seit 15 Jahren zusammen, Sex hatten sie zuletzt auf Gran Canaria, vor zehn Jahren. Jetzt stehen andere Freuden im Vordergrund, gutes Essen zum Beispiel. Thorsten und Christina, ein junges Paar, schlafen auch nicht miteinander.

(Quelle: NDR Fernsehen – Sexlos glücklich)

Beim WDR sind übrigens anläßlich einer früheren Ausstrahlung dieser Sendung deutlich mehr Verweise auf thematisch passende Seiten vorhanden als bei dieser NDR-Ausstrahlung.

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Theratalk (Video-Podcast)

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Theratalk® Video – Podcast

Lernen Sie, wie Sie in Ihrer Partnerschaft glücklicher und zufriedener werden können. In diesem monatlich erscheinenden Video-Podcast lernen Sie aktuelle Ergebnisse der wissenschaftlichen Partnerschafts-Forschung und deren praktische Anwendung im Alltag kennen.

(Quelle: Theratalk Video-Podcast, Folge 1: Sex, Kommunikation, Seitensprünge)

Obiger Podcast war ein Nebenergebnis des Hurentaxi-Fundstücks von letzter Woche, habe mir eben gerade diese Folge angeschaut. Mir gefällt die ruhige Art, mit der vorgetragen wird. Muß ja nicht immer alles so schrill sein wie im Fernsehen. Die Filme (drei bisher) können einzeln heruntergeladen werden, oder als iTunes-Podcast abonniert werden.

Was tun, wenn der Sex fehlt?

Bei CareConsulting fand ich heute den einen Artikel, der sich mit dem mutigen Verhalten eines österreichischen Seniorenheims auseinandersetzt, welches eine Prostituierte für einen besonders unbefriedigten Einwohner ins Heim kommen ließ.

Dort sind auch Links zum Thema „Sexualbegleiter“ und „Surrogatpartner“ vorhanden, in die ich mich kurz eingelesen habe. Die beiden genannten Personenrollen bzw. Funktionen kommen – wenn überhaupt – bisher für kranke Menschen und Menschen mit Behinderungen zum Einsatz, um hier dem Grundbedürfnis nach menschlicher Nähe und Sexualität Raum zu geben. Das gefällt mir, das finde ich gut – totschweigen kann man das Thema Sex nämlich nicht.

Es ist aus meiner Sicht übrigens nicht mehr einzusehen, warum eine mehr als offensichtliche Lösung (aktive sexuelle Fachbetreuung) dieses bisher in der Öffentlichkeit ignorierten Themas in den meisten Ländern noch als anrüchig und/oder nicht oder nur eingeschränkt bezuschussungsfähig seitens der Träger eingestuft wird. Im Falle eine Trägerschaft muß natürlich stets die Bedarfssituation geprüft werden, aber wenn ich sehe, was deutsche Krankenkassen heute schon alles abrechnen, würde ich doch eher für mehr Sex und für weniger Medikamente plädieren.

Und das nicht nur für Schwerkranke und Behinderte, womit ich beim eigentlichen Kern dieses Postings angelangt bin. Aufgrund meiner eigenen privaten „Feldforschungen“ zum Thema „Sex“ bin ich über die Jahre zu der Ansicht gelangt, daß sexbezogene Defizite auch bei vielen als nicht-behindert eingestuften Menschen vorhanden sind. Diese Defizite schlagen sehr wohl auf das allgemeine Wohlbefinden durch und äußern sich eher in einem allgemeinen Unwohlsein denn in einer konkret benennbaren Krankheitssituation.

Meine Erfahrungen beschränken sich ausdrücklich auf Frauen. Die meisten Kontakte kamen über das Internet zustande und wurden durch persönliche Treffen oder Telefonate als tatsächlich weiblich verifiziert. Meine nicht-systematischen Befragungen dieser Damen ergaben unter anderem recht häufig den Hinweis, daß der eigene Partner (sofern vorhanden) zum damaligen Zeitpunkt als wenig aufmerksam und vor allem wenig befriedigend in sexueller Hinsicht eingestuft wurde.

Daher war die Bereitschaft seitens der Damen, daß ich ähnlich den beiden oben genannten Rollen/Funktionen aktiv wurde, sehr ausgeprägt. Mir fiel bereits damals auf, daß ich viele Frauen außerdem über einen gewissen Zeitraum quasi aus der Ferne begleitete, bis sich in ihrem Leben große Änderungen der Rahmenbedingungen ergeben hatte. Daraus ergab sich in den meisten Fällen auch eine neue Partnerschaft oder ein neuer Lebensabschnitt – oder am besten beides.

Aufgrund meiner damaligen Lebensumstände habe ich die Rolle dankbar angenommen. Mittlerweile habe ich den Rahmen geändert, bin in eine andere Stadt gezogen, und versuche mich nun an einer Selbstständigkeit.

Im Rahmen der Existenzgründungsplanung im Herbst letzten Jahres blitzte für einen kurzen Moment auch der Gedanke durch meinen Kopf, meine damalige obige Tätigkeit als Ausgangspunkt meiner neuen Selbstständigkeit zu verwenden.

In Richtung Callboy wollte ich mich allerdings nicht verändern. Mein eigener Anspruch ging und geht mehr in die Richtung, das persönliche Erleben der Frauen zu verändern, ihnen Möglichkeiten zu geben, sich selbst in sexueller Hinsicht auszuprobieren, ohne Angst vor der damit einhergehenden Veränderung zu haben. Mir gefiel die Idee grundsätzlich, weil ich das Thema „Sex“ über die Jahre als kraftvollen Lebensbegleiter kennenlernen durfte. Wenn eine Frau wieder richtig aufblühte und vor wiedererwachter Energie nur so strotzte, fühlte sich das auch für mich gut an.

Meine Herbst-Idee setzte daher an der Stelle an, an der es nach meiner Ansicht noch mit am meisten hapert: dem öffentlichen Sprechen über Sex. Wer nicht oder nur sehr verhalten darüber spricht, kann auch nur schwer ausdrücken, was er will, was er sich wünscht, was er begehrt. Daher konzipierte ich im Geiste Kleingruppensitzungen mit maximal drei oder viel Teilnehmerinnen, die sich dem Thema über das gegenseitige laute Vorlesen von erotischen oder eindeutig sexuellen Texten nähern sollten. Es ging also auch darum, die eigene Stimme auszuprobieren. An weitergehende Surrogatpartnerhandlungen dachte ich noch nicht. Es war erstmal die Idee, an die ich mich mangels geeigneter Vorbilder nicht heran wagte.

Und heute nun lese ich den Artikel bei CareConsulting und stelle fest, daß ich mit meiner Idee nicht so ganz neben aktuellen Entwicklungen liege. Dort liegt der Fokus auf denen, die sich nur schwer selbst helfen können (wenn überhaupt), aber die Zielsetzung ist die gleiche: Menschen sexuelle Befriedigung verschaffen, ohne eine personengebundene Partnerschaft zu haben. Und dieses eben nicht nur als rein monetäre orientierte Handlung mit Gewinnerzielungabsicht, sondern auch und gerade unter Einbeziehung der persönlichen Lebensaspekte.

Ein neuer Startpunkt ist gesetzt durch diese Hinweise aus einem „Nachbarfeld“. Die Gedanken in diesem Posting mögen ein wenig wirr sein, aber sie erfüllen ihren Zweck – für mich. Dranbleiben und schauen, was ich tun kann – oder ob ich es lassen sollte. Schließlich bin ich kein ausgebildeter Therapeut, sondern nur ein lebenserfahrener Laie, was den medizinischen und psychologischen Teil angeht.

Schauen wir mal.