Aufklärung tut not – immer wieder

Im Tagesspiegel wurde ein Comic besprochen:

Liv Strömquist diskutiert in „Der Ursprung der Welt“ die Tabuisierung der Vulva, gibt feministischer Theorie ein neues Gewand und demonstriert das Potential des Comics für grafische Essays.

http://www.tagesspiegel.de/kultur/comics/der-ursprung-der-welt-die-wahre-groesse-der-klitoris/19959222.html

Das Buch ist schon mal auf meine Vormerk-Liste gewandert.

 

Neue Entertainment-Ideen

Auf dem Rückweg nach Haus kamen mir eben diverse in National-farben bemalte Menschen entgegen. Einige davon waren bestimmt auf dem Weg zu einem in Deutschland so schräg wie falsch getauften Ereignis namens „Public Viewing“ – welches ich definitiv nicht besuchen werde. Dazu bin ich zuwenig deutschtümelnd oder auch zu wenig offen für hetero-konservativ geprägte Sportereignisse.

Mir hingegen würde eine Veranstaltung namens „Public Fucking“ deutlich besser gefallen. 😉

Und wenn ich schon bei Austeilen bin … „Germany’s Next Fuck Model“ wäre durchaus eine Sendung, die ich mir anschauen würde – und nicht diesen Schlaffi-Kram mit irgendwelchen Modekindern.

Illusionskunst

Illusion ist das Wichtigste beim Sex, verriet mir einmal ein professioneller Sexarbeiter, nach eigenen Angaben „Callboy“ und Zuhälter, der in der Stadtbibliothek nach Prousts „Im Schatten junger Mädchenblüte“ griff.

(Quelle: Telepolis: Der zeitgenössische Kult der pneumatischen Busen)

Äh. Ja! Der Rest des Artikels handelt dann von was anderem, vorzugsweise von der optischen Selbstanpassung von Frauen an komische gesellschaftliche Leitbilder.

Wikipedia: Vulva-Fotos sind gefäääährlich

In der Nacht zum Sonntag des 21.03.2010, 0.00 Uhr, geschah es: Die Hauptseite der deutschsprachigen Wikipedia hatte zum „Artikel des Tages“ den Beitrag „Vulva“ gekürt und mit der dortigen Abbildung einer solchen illustriert. Es dauerte erstaunlicherweise 23 Minuten, bis im entsprechenden Forum ein anonymer Beitrag den Auftakt einer Diskussion lieferte, die bereits gegen 3.00 Uhr ein beachtliches Ausmaß annahm und unversöhnliche Positionen offenbarte. Die Druckversion der Diskussion sollte es schließlich auf über 130 Seiten bringen, die gelöschten Beiträge sowie solche in diversen [extern] parallelen Diskussionen mal außen vor gelassen.

(Quelle: Telepolis: Wikipedia: Feuchtgebiet 2.0)

Oben zitierten Artikel ist eine kompakte Zusammenfassung der Ereignisse rund um das Auftauchen des Fotos. Für mich persönlich ist es schwer begreiflich, warum die Foto-Platzierung überhaupt noch so umfangreiche Diskussionen auslösen kann.

Zufälligerweise sind nämlich 100% aller Menschen einer Vulva entsprungen, insofern sehe ich da wenig Beeinträchtigungspotential in der kindlichen Entwicklung, wenn es um enzyklopädische Abbildungen geht. Und eigentlich sollte man Kinder und Jugendliche nicht vor Vulva-Fotos, sondern vor kinderfickenden Erwachsenen schützen. Das wäre ein dringender zu lösendes Problem, wie dieser Tage die vielen Berichte von Übergriffen katholischer Mitarbeiter und von Lehrpersonal nachdrücklich aufzeigen.

Mit einer Vulva wird jeder Mensch auf diesen Planeten mal zu tun haben – als Besitzerin, oder als männlicher Sexualpartner im gegenseitigen Einverständnis. Mit einem Kinderficker sollte man nie was zu tun haben müssen.

Un-Boes-e Erkenntnis

sueddeutsche.de: Die Dame leitet eine Beauty-Beratungssendung im Fernsehen. Es ist die einzige Figur, bei der es nicht primär um Sex geht. Warum ist das bei allen anderen Rollen so wichtig?

Boes: Sex ist nun mal das, was die Menschen beschäftigt. Solange die Welt sich dreht, wird es immer ein wichtiges Thema bleiben. Die Frau hat ja nicht immer so viel Glück in vielen Dingen und hier werden auch die typischen Frauenrollen im Fernsehen selbst karikiert.

(Quelle: Gespräch mit Mirja Boes – „Ich kann ganz schlimme Sachen gucken“ – Medien – sueddeutsche.de)

Tja, lieber Kinder, wer hätte das gedacht? Es gibt Menschen, denen es primär um Sex geht. Entspricht auch meiner eigenen Wahrnehmung. Interessant daran ist für mich vor allem, wie die meisten damit umgehen. Auch wenn viele diesen Umstand zu verdrängen versuchen, so sind ihre Gedanken doch oft auch indirekt mit diesem Thema beschäftigt.

Mode und Kosmetik haben keinen anderen wesentlichen Zweck, die persönliche Attraktivität zu steigern. Denn wenn sich alles streng nach dem reinen Leistungsprinzip orientieren würde, wäre das Aussehen egal, weil nur die abgelieferte Leistung alleine zählen würde. Tut sie aber nicht.

Jeder von uns weiß, dass er/sie der geilen Kollegin/dem geilen Kollegen kaum einen Wunsch abschlagen könnte, sobald sie/er auf uns zukommen würde. Fast jeder kennt das Gefühl, etwas gekauft zu haben, weil das Verkaufspersonal einen geschickt mit persönlichen Reizen umgarnt hat – nicht weil das Produkt so außergewöhnlich gut war. Und das war dann sexuelle Attraktivität im Live-Einsatz. Wir reagieren, weil unserer Gegenüber bewusst darauf setzt, dass wir instinktiv reagieren, nicht sachorientiert.

Außerdem werden wir medial von Kindesbeinen darauf gedrillt, sexuell orientiert zu denken. Habe gestern beim Arzt mal nach vielen Jahren wieder in einer BRAVO geblättert. Es ging fast nur darum, welcher Star welches Aussehen aufweist, wer mit wem gerade vögelt, wer nun mit wem gerade nicht, und alles rund um das Thema „sexuelle Aufklärung“ ist ja sowieso die Dr. Sommer-Domäne im deutschsprachigen Teenie-Raum.

Die Aufmachung des Blattes war klar auf die Teenager-Zielgruppe ausgerichtet. Aber was diese Zeitung mit den Yellow-Press-Blättern deutlich gemeinsam hat, ist die Fokussierung auf das Kernthema, wer gerade mit wem fickt. Jeder Bericht über ein Paar ist in erster Linie die Rückmeldung, dass die beiden es noch miteinander & exklusiv treiben. Sobald einer von beiden aus der Beziehung ausbricht, ist das die nächste Meldung. Und sobald der Ausbrecher entweder a) wieder zurückkehrt oder b) mit einer anderen Person gesichtet wurde, ist wieder klar, wer mit wem vögelt.

So langsam begreife ich, warum mich alle Medien, die sich primär diesem Thema widmen, nicht konsumiere. Es ist mir schlicht und einfach egal, zu wissen, welcher mir persönlich unbekannte Mensch mit wem vögelt. Ich kenne diese prominenten Menschen nicht selbst, und daher ist mir ihr Sexual-Verhalten auch vollkommen wumpe.

Außerdem diskutiere ich im Freundes- und Bekanntenkreis lieber über Möglichkeiten, wie man den eigenen sexuellen Genuss steigern kann. Mit wem das dann passiert oder besonders gut gelingt, ist dabei ziemlich sekundär. Hauptsache, es kommt zu einer echten Befriedung, gerne auch längerfristig.

Neue Entdeckung: Berührungen machen Sex sinnlicher!

Eigentlich fand ich das Vorspiel beim Sex immer lästig. Bis Christian kam und ich lernte, dass Sex durch die perfekte Berührung fantastisch wird. Schön war Christian nicht. Aber eins konnte er wie kein Zweiter: anfassen! Wenn seine Hände über meinen Körper flirrten, spürte ich die Lust an tausend Stellen. Er ließ mir kaum Zeit, mich an ein Hochgefühl zu gewöhnen – in der nächsten Sekunde überraschte er mich bereits an einer ganz anderen Stelle und schickte mich von einer Ohnmacht in die nächste.

(Quelle: Vorspiel: Besserer Sex durch perfekte Berührung – FIT FOR FUN)

Phan-tas-tisch! Un-glaub-lich! End-lich! Eines Tages würde der Durchbruch kommen, war mir schon länger klar!

Obigen Artikel entdeckte ich vor ein paar Tagen, las ihn durch – und kam mal wieder aus Staunen nicht heraus. Dann habe ich ihn beiseite gelegt, weil ich seinen „neuen“ Erkenntnisse im Grunde als banal einstufte. Aber etwas daran hat mir dann doch keine Ruhe gelassen, daher nun dieses Posting.

Als ich den Artikel zum ersten Mal gelesen habe, fühlte ich mich als sexuell aufmerksam handelnder Mann bestätigt in meinem Tun, denn die Beschreibung des Tuns und der Reaktionen darauf passte sehr gut auf meine eigenen Erfahrungen mit diesem Vorgehensweise. Fein, da fühlte ich mich gut gebauchpinselt, wozu also darüber schreiben?

Als ich ihn nun wieder durchgelesen habe, habe ich mich stärker auf das Umfeld des Artikels konzentriert – die Webseite einer Fitness-Zeitschrift. Das war es nämlich, was mir keine Ruhe gelassen hatte. Jetzt erzählt also eine Fitness-Zeitschrift, die nichts anderes zu tun hat, als ihre Leser/innen ständig nur auf ihren Körper zu reduzieren, genau diesen etwas über das Berühren des GANZEN Körpers? Man erklärt nun also Menschen, die alle möglichen und unmöglichen Muskeln trainieren, dass sie nicht nur diese haben, sondern auch eine alle bedeckende Haut, die für’s Anfassen überall sehr empfänglich ist?

Au weia. Wenn Menschen es nicht mehr aus eigenem Antrieb schaffen, sich gegenseitig durch vielfältigste Berührungen körperliche und seelische Freude zu geben und dann solche Anleitungen brauchen, ist eigentlich ein ziemlicher Tiefpunkt in der menschlichen Entwicklung erreicht. Vor allem der Hinweis, man möge doch die Fantasie spielen lassen, erschütterte mich am meisten.

Aufgrund meiner eigenen Entwicklung, die Fantasie & Spieltrieb schlicht aus reiner Neugier auf die Reaktionen des Gegenübers eingesetzt hat, wunderte es mich noch viel mehr. Ich bekam nämlich keine massive Ablehnung zu spüren, sondern eher dezente Hinweise, was geht und was nicht. Außerdem habe ich den Mund nicht nur zum Lecken, Lutschen und Küssen, sondern auch zum Fragen benutzt. Wer nicht fragt, bleibt dumm, wie es bereits eine populäre Kindersendung in den 70er Jahren auf den Punkt gebracht hat.

Es steckt also kein Hexenwerk dahinter, auch wenn ich durch viele Gespräche mit Frauen immer wieder den Eindruck bekomme, dass zumindest ein Teil der Männer sowas glauben könnte. Männer, wacht auf! Frauen sind keine Werkstück, dass man einfach in eine Werkbank einspannt, um sie dann an den „richtigen“ Stellen zu bearbeiten. Solche Anleitungen wie in der „Fit for fun“ sollten eigentlich nur der Rettungsanker für die ganz Doofen sein, aber alle anderen sollten selbst mal ausprobieren, worauf ihre Damen alles so stehen. Und das ohne Buch, Heft, Magazin, Porno, Sex-Toys und ähnliches – einfach mal gucken, schauen, forschen.

Ihr werdet Euch wundern … 🙂