Religiös ficken tut weh

Einer neuen Studie nach unterscheiden sich Christen in ihren sexuellen Aktivitäten wenig von Agnostikern und Atheisten, fühlen sich dabei aber schlechter

Der Psychologe Darrel W. Ray wurde 2009 mit seinem Buch The God Virus bekannt. Sein nächstes Werk soll Sex and God heißen. Anlass dazu bot ihm seinen eigenen Angaben nach der Anschein, dass Religionen geradezu von der menschlichen Sexualität besessen sind und von der Abtreibung über die Homosexualität bis hin zur Masturbation Kontrolle darüber ausüben wollen.

(Quelle: Hitparade der Schuldgefühle | Telepolis)

Diesen Eindruck hatte ich ständig, als ich im Deutschlandfunk längere Zeit und häufiger die Religions-Nachrichtensendung „Tag für Tag, Aus Religion und Gesellschaft“ (Audio on Demand)hörte. Ständig ging im Kern sehr darum, wer mit wem fickt – und wer es lassen soll. Und aus welchen moralischen Gründen.

Warum sind die da so manisch hinterher?!?

Sex-Vorschriften gehören nicht in Arbeitsverträge

Er hätte einiges beizutragen zu den aktuellen Themen der Zeit: „Wir haben eine Bundeskanzlerin, die ist wieder verheiratet. Wir haben einen Außenminister, der jetzt gerade eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen ist. Sollte es wirklich so sein, dass Kirchenangestellte, wenn sie geschieden sind, nicht so leben dürfen wie die Repräsentanten des Staates? Das kann ich mir nicht vorstellen.“

(Quelle: Urteil: Kündigung wegen Ehebruchs ist rechtswidrig | tagesschau.de)

Endlich mal ein zeitgemäßes Urteil! Mir war es schon seit Jahren schleierhaft, warum die katholische Kirche ihren Mitarbeitern in die persönliche private sexuelle Lebensführung reinpfuschen darf – und von Staats wegen durfte. Das ganze diesbezügliche Geseiere vom Tendenzbetrieb kann ich nicht mehr hören, vor allem wenn dadurch hinten herum Menschen- und Arbeitnehmerrechte ausgehebelt werden und wurden. Solange die geschuldete Arbeit gemäß Arbeitsvertrag geleistet wird, darf und kann nach meiner Ansicht niemand darüber hinaus gehenden Gehorsam verlangen, vor allem nicht für das persönliche Sexualverhalten.

Warum lassen sich eigentlich überhaupt noch soviele Menschen von der katholischen Kirche knechten? Doch nur, weil man ihnen neben der geistliche Macht auch die weltliche Macht in Form von Geld und Besitz überlassen hat, mit der sie heute nicht nur mehr Gutes tun. Ohne dieses Druckmittel wären sie bald auch nur eine von vielen Kirchen …

Männer und vorgespielter Orgasmus

Mit großem Vergnügen habe ich gerade das Buch „Alltagsskizzen“ (ISBN: 978-3-8303-3115-5) von Harm Bengen gelesen. Eigentliche eher angeschaut, denn es ist eine hübsche Zusammenstellung seiner bereits in Tageszeitungen und an anderen Stellen veröffentlichten Cartoons.

Zum Glück sind einige der Cartoons aus dem Buch auch online verfügbar, so dass ich eine kleine – zu diesem Blog passende – Auswahl vorstellen kann.

Besonders gefallen hat mir diese wundervolle Umsetzung einer Redewendung:

Was habe ich gejohlt, als ich das gelesen & gesehen habe. 🙂

Weitere diesbezügliche Highlights waren für mich:

Die verlinkten Cartoons stammen aus der Toonpool-Galerie, wo sich viele weitere davon befinden. Gefallen hat mir auch die Vielzahl von Cartoons mit Bezug zur aktuellen Tagespolitik, die in Zeiten der Finanzkrise nicht oft genug auf den Punkt gebracht werden kann. 😉

Afghanistan: Zwangs-Ficken in der Ehe (Update 2)

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat am Donnerstag ein Gesetz unterzeichnet, das Ehefrauen dazu zwingt, mindestens alle vier Tage mit ihrem Mann zu schlafen.

(Quelle: NETZEITUNG POLITIK AUSLAND NACHRICHTEN: Häufigkeit von Sex gesetzlich geregelt)

Wenn ich mal rein nach der aktuellen Häufigkeit meiner Meldungen aus der Kategorie „Sex and Religion“ gehe, denken die Fundamentalisten aller Länder scheinbar ständig nur ans Ficken. Erst Brasilien, dann der Papst in Afrika und nun Afghanistan – alle sind der Ansicht, den Menschen vor oder nach dem Sexualverkehr Vorschriften und Maßregelungen erteilen zu müssen, teilweise gegen jede ethische Maßstäbe.

Obige Meldung ist natürlich besonders drastisch einzustufen, da sich die Situation der Frauen dort somit wieder verschlechtern wird. Einfach mal eben die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs per Gesetz vorschreiben ist schon ein starker Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung, der durch nichts zu rechtfertigen ist. Leider gibt der Artikel keine Begründung ihrer Unterstützer an, wie sie auf diese wirre Idee gekommen sind.

Nur ein Federstrich durch den Präsidenten, und schon bekommen die Männer mehr Rechte als die Frauen. Das sollte auch den Frauen in westlichen Ländern zu denken geben, denn die islamischen Fundamentalisten machen selten vor Landesgrenzen halt und exportieren gerne mal ihre Ideen. Also meine Damen, es geht um Eure Ärsche, die ihr retten solltet, bevor man sie Euch per Gesetz nimmt.

Update 1 vom 05. April 2009, abends:

Mindestens alle vier Tage sollte eine Ehefrau in Afghanistan mit ihrem Mann schlafen – so bestimmt es ein neues Gesetz. Nun hagelt es Proteste aus aller Welt und der afghanische Präsident Karsai will handeln.

(Quelle: NETZEITUNG POLITIK AUSLAND NACHRICHTEN: Afghanisches Sex-Gesetz wird überprüft)

Es hagelt zu Recht Proteste aus alle Welt, erfreulicherweise auch von Obama. Es wird Zeit, das sich was ändert auf diesem Planeten.

Update 2 vom 19. April 2009, morgens:

Das Magazin TELEPOLIS hat auf interessanten Vergleich hingewiesen:

In seinem Kommentar, der vor ein paar Tagen in der französischen Zeitung Le Monde [extern] erschien, macht er schon im zweiten Satz klar, dass er nicht nur diejenigen zu den Fundamentalisten-Fanatikern zählt, die eine Frau gegen ihren Willen besitzen wollen, sondern auch die anderen, die die Empfängnisverhütung und das Präservativ verbieten. Die Anspielung auf den Papst und die katholische Kirche ist ebenso deutlich wie auf die Ehegesetze, die sich auf islamische Gesetze berufen, die in der jüngsten Zeit in der westlichen Öffentlichkeit für große Erregung gesorgt haben.

(Quelle: TELEPOLIS: Besessenheit und Geschlechtsgemeinschaft)

Darin stimme ich dem Autor zu, dass es eigentlich immer Fundamentalisten sind, ob sie nun islamisch, christlich oder sonstwas sind, die auf solche Ideen zur systematischen Frauenunterdrückung kommen.

Auch sehr wichtig ist der Hinweis im Artikel auf diesbezügliche Ähnlichkeiten in der deutschen Rechtsprechung, die von Teilen der konservativen Parteien ausdrücklich erwünscht sind. Das angeführte Zitat ist zwar schon von 1995, zeigt aber deutlich, welches Geistes Kind sie sind, denn es fiel im Rahmen der Debatte um die „Strafrechtsänderungsdebatte zur Vergewaltigung in der Ehe“.

Papst dreht weiterhin am Rad (Update 1)

Millionen Menschen sind in Afrika an der Krankheit gestorben, doch Benedikt XVI. sieht in Präservativen keinen geeigneten Schutz. Das Oberhaupt der Katholischen Kirche empfiehlt dagegen christliche Tugenden als Schutz vor Ansteckung.

(Quelle: FTD.de – Papst auf Afrika-Reise: „Kondome verschlimmern Aids-Problem“ – International)

Mit einer so stark ignoranten Weltsicht kann man natürlich auch nach Afrika reisen. Und den dort Menschen weiterhin raten, eine unsichtbare Krankheit mit multiplen auch nicht-sexuellen Ansteckungswegen einfach durch sexuelle „Enthaltsamkeit“ zu bekämpfen.

Sehr deutlich ignoriert er damit eigentlich auch jeglichen medizinischen Fortschritt der letzten paar hundert Jahre und stellt sich auf das Niveau der Pestgläubigen aus dem finstersten Mittelalter. Obwohl mir gerade einfällt, dass die wirklich noch nicht das Wissen für die Bekämpfung hatten – er aber schon.

Insofern ist er sogar schlimmer als die damaligen Menschen, denn er stellt sich damit gegen den globalen Fortschritt der gesamten Menschheit, während sie damals „nur“ Unschuldige in ihrer Panik umgebracht haben.

Schämen sollte er sich dafür. Auch für die Ignoranz gegenüber dem Leid.

Update 1 vom 18. März 2009, mittags:

Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke hat Papst Benedikt XVI. deutlich widersprochen. In der Diskussion über die Bekämpfung der Aids-Epidemie in Afrika schrieb Jaschke für die „Zeit“: „Wer Aids hat und sexuell aktiv ist, wer wechselnde Partnerschaften sucht, muss andere und sich selber schützen.“

(…)

Jaschke schrieb in seinem Beitrag: „Die Kirche steht nicht in einer finsteren Anti-Kondom-Ecke, von der aus sie die Menschen einschüchtern will.“

(Quelle: Hamburger Abendblatt – Kondome: Hamburger Bischof widerspricht dem Papst)

Der obige Artikel hat mich sehr gefreut. Stimmen aus Gesellschaft und Gesellschaft erteilen unisono einen Ordnungsruf an Papst Benedikt, und der aus Hamburg kommt sogar aus den eigenen Reihen. Wird langsam Zeit für eine Wachablösung in Rom, habe ich den Eindruck. Der alte Mann wird immer wirrer – oder er ist ein religiöser Extremist. Egal was davon zutrifft, nimmt die Summe an Fehlleistungen und -einstufungen ständig zu.

Brasilien: Kirche und Kinderficker (Update 1)

Bei einer erst neunjährigen Brasilianerin sind am Mittwoch Zwillinge abgetrieben worden.

(…)

Die katholische Kirche Brasiliens hatte gefordert, das Mädchen solle die Zwillinge austragen. Der Rechtsanwalt der Erzdiözese von Olinda und Recife, Marcio Miranda, sagte: „Wir halten das für Mord. Das Gesetz Gottes lautet: Du sollst nicht töten.“

(Quelle: Hamburger Abendblatt: Neunjährige treibt nach Vergewaltigung Zwillinge ab)

Ein sexuell missbrauchtes Mädchen sollte die Schwangerschaft austragen, welche ihr vergewaltigender Vater verursacht hatte. Hallo? Gehts noch, liebe katholische Kirche in Brasilien? Ein Kind soll Kinder bekommen? Das Drama des Opfers soll noch verlängert werden? Und die Kindesmutter soll vorsätzlich gefährdet werden, da in diesem Alter grundsätzlich von einer Risiko-Schwangerschaft auszugehen ist, zumal auch noch Zwillinge anstanden?

Ich glaube, es hackt!

Und diese verlogene Begründung mit dem „Gesetz Gottes“ geht mir besonders auf den Sack. Die Verfechter der nach meiner Ansicht schon immer willkürlichen Einstufung eines Schwangerschaftsabbruchs als Tötung zeigen in diesem speziellen Fall erneut ihr pervertiertes Gesicht. Unter Missachtung aller gesellschaftlichen, medizinischen und psychologischen Erkenntnisse wollen sie einfach nur ein Gebot durchpauken, egal wie schlimm die Umstände der Zeugung waren und egal was dabei mit dem Opfer passiert. Nächstenliebe? Pustekuchen!

Das sie mit dieser lausigen Nummer eigentlich selbst gegen das dritte Gebot verstoßen (Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen.) ist diesen Flachpfeifen wohl noch nicht aufgefallen. Aber was will man von Menschen erwarten, welchen eine Geburt wichtiger ist als ein Kindesmissbrauch?

Update 1 vom 6. März 2009, mittags

Die katholische Kirche in Brasilien hat die Mutter eines neun Jahre alten Mädchen exkommuniziert, das nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung durch ihren Stiefvater ihre Zwillinge abgetrieben hatte. Auch das Ärzteteam, das sie behandelte, wurde aus der Kirche ausgeschlossen.

(…)

Aufgrund des allgemeinen Abtreibungsverbots lassen nach Behördenschätzungen jährlich rund eine Million Frauen heimlich abtreiben, tausende sterben dabei. Versuche des Gesundheitsministeriums, die Gesetze zu liberalisieren, scheiterten bisher am Widerstand der katholischen Kirche.

(Quelle: Mutter von Vergewaltigungsopfer exkommuniziert | tagesschau.de vom 06. März 2009)

Eine Million von der Kirche für illegal erklärte Abtreibungen ziehen tausende (ehemals wirklich bei Bewusstsein gewesene) Tote nach sich. Wer ist hier eigentlich der tatsächliche Mörder?

Das riecht nach Sippenhaft seitens der katholischen Kirche, wenn nun sowohl die Mutter als auch das Ärzteteam exkommuniziert wird. Gleichzeitig stellt sie sich über die Gesetze Brasiliens, wenn sie den Vorrang der Gottesgesetze über die weltlichen betont. Bei islamischen Ländern wird immer aufgeschrien, wenn sie einen sogenannten „Gottesstaat“ erreichten, und bei den Katholiken soll das Primat der Kirche über den Staat in Ordnung sein? Nicht erst jetzt ist ihnen scheinbar jedes Maß für Menschllichkeit verloren gegangen.

Könnte man diese Kirche nicht auch des Landes verweisen wie diesen blöden Pius-Fascho-Bischof?

Religion & Toleranz – beim Sex hörts auf

Zur Parade hatte die Schwulen- und Lesbenorganisation Gemini aufgerufen. Ihre Chefin, Aksinija Gentschewa, klagte kurz vor der Parade, sie habe Morddrohungen erhalten. Die christlich-orthodoxe Kirche sowie das Oberhaupt der bulgarischen Muslime hatten die Veranstaltung abgelehnt. Der Austragungsort wurde gleich zweimal verlegt. Regierungschef Sergej Stanischew sagte, er sei tolerant gegenüber Menschen, die in religiöser, sozialer oder anderer Hinsicht anders seien, doch die „Demonstration dieser Ausrichtungen“ gefalle ihm nicht.

(Quelle: Attacken auf Schwule in Tschechien und Bulgarien | tagesschau.de)

Ja, ja, die großen Religionen. Zwar hier mal „nur“ in Bulgarien, aber sehr bezeichnend, daß sich der Regierungschef und die Religionsoberhäupter unisono & übergreifend gegen die Gay-pride-Veranstaltungen aussprechen. Ist mir immer noch ein Rätsel, wie solche Länder in die EU reindurften, wenn die Mindeststandards für Menschenrechte eigentlich mit Füßen getreten werden – bei der Türkei wird ja gerne noch in dieser Richtung gemauert.

Hier in Deutschland ist man zumindest auf dem Papier schon deutlich weiter, auch wenn die rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben immer noch einen weiten Weg vor sich hat. Was allerdings überall gleich zu sein scheint, ist die ablehnende Haltung der religiösen Führer.

Daher lehne ich nach wie vor jede zentralistisch geführte Religion ab, die mir ins Bett nachsteigt und mir sagen will, was ich dort zu treiben und zu lassen habe. Alles, was zwei (oder mehr) erwachsene Menschen einvernehmlich und zwangsfrei miteinander treiben wollen, kann nicht Gegenstand religiöser oder politischer Einflussnahme sein. Glauben – gerne, Regel – nein!