Am Ringfinger sollt ihr sie erkennen

Es gab deutliche Unterschiede: Der Australopithecus, der vor etwa drei bis vier Millionen Jahren lebte, war sichtbar monogamer als der wesentlich ältere Ardipithecus und der sehr viel jüngere Neandertaler. Letzterer war wohl deutlich dominanzorientierter und bevorzugte mehr wechselnde Sex-Partner als der moderne Mensch – falls er sich wirklich der Länge seines Ringfingers entsprechend verhielt. Emma Nelson kommt zu dem Schluss:

„Man nimmt an, dass pränatale Androgene die Gene beeinflussen, die für die Entwicklung der Finger, Zehen und des reproduktiven Systems verantwortlich sind. Wir konnten kürzlich zeigen, dass promiskuitive Primaten-Spezies verstärkt einen längeren Ring- als Zeigefinger hatten, während es bei monogamen umgekehrt war.“

(Quelle: Telepolis: Anderes Hirn und jede Menge Sex)

Aha? OK, meine Ringfinger sind länger als meine Zeigefinger. Ach, ich bin also genetisch dominiert? 😉

News: Frauen treiben es gerne lange, ausführlich und wollen darüber sprechen

(…) Nur wenn sich beide Partner regelmäßig und gezielt mehrere Stunden Zeit für Zärtlichkeit nähmen, ließe sich über die Jahre eine erfülltes Sexualleben gewährleisten, so der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch.

(…) «Der moderne Mann ist oft gehemmt und scheu und würde intime Dinge gern im Geheimen abwickeln. Frauen wollen aber darüber reden.»

(…) «Das zentrale Problem in vielen Beziehungen ist nach wie vor mangelnde Kommunikation über Sexualität. Wir haben in Deutschland keine angemessene Sprache für das, was Tatsache ist», erklärte Sigusch. Auch würden viele Frauen heute noch immer nicht über ihren Körper Bescheid wissen, geschweige denn die Männer.

(…) Diese längere Lebenserwartung werde sich in Zukunft in veränderten Partnerschaftsstrukturen niederschlagen: «Die Polyamorie, also das Zusammenleben mit mehreren Partnern gleichzeitig, wird zunehmen.»

(Quelle: ZEIT ONLINE: Wissenschaftler: Guter Sex will Weile haben)

Für diejenigen, denen Volkmar Sigusch noch kein Begriff sein sollte: es handelt sich bei ihm um einen der bedeutendsten Sexualwissenschaftler in Deutschland. Leider wurde im Rahmen seiner alterbedingten Ausscheiden aus dem von ihm geleiteten Frankfurter „Instituts für Sexualwissenschaft“ das selbige 2006 nicht mehr weitergeführt.

Nun zu seinen eigentlichen Aussagen. Ja, ja, und nochmals ja! Ich stimme ihm in ALLEN Aussagen vorbehaltlos zu, was ein eher seltener Schritt für mich ist. Aber meine eigenen Lebens-Erfahrungen haben zu den gleichen Schlussfolgerungen geführt. Oder besser – anfangs habe ich mich dazu verführen lassen. Später wurde ich dann selbst zum Verführer – und habe darüber und dabei gesprochen. Und nicht geschwiegen.

Was anfangs Frauen noch verwundert(e), wurde und wird dann sehr oft mit großer Freude angenommen. Einfach mal über Sex sprechen, sich austauschen, darüber diskutieren – als Thema! Außerdem lässt sich auf dieser Weise der gemeinsame Sex auch verlängern – ein Wechselspiel von Kommunikation und sexuellem Handeln erzeugt eine angenehme „Welle“, auf der sich freundlich ganze Tage miteinander verbringen lassen. Hätte ich stets nur stumm wie eine Sprotte in der Kiste meine „Nummer“ durchgezogen, wäre es für beide Teilnehmer wohl deutlich weniger angenehm verlaufen.

Ach ja, liebe mitlesende Männer – ich habe dabei nicht meine wie auch immer geartete Männlichkeit verloren, als ich mich verstärkt darauf konzentrierte, es für die jeweilige Frau mehr als nur angenehm zu gestalten. Frei nach dem Motto: „gebe ich mit offenem Herzen viel, dann bekomme ich auch viel zurück“ ist die ganze Palette von zart bis hart durchspielbar. Mal bin ich dominanter, mal eher devot, wenn ich mal diese Schubladen bemühen darf.

Und ich lege mich nicht fest auf eine Rolle oder Strategie. Das kommuniziere ich auch: Sex hat was mit momentaner Stimmung und Umgebung zu tun – auf beiden Seiten. Daher kann Sex gar nicht immer gleichförmig verlaufen, denn ansonsten wäre ich ein mehr oder weniger gefühlsloser und un-empathischer Klotz.

Forschen, schauen, spielen – Körpererfahrungen machen gehört einfach zu einem guten sexuellen Selbstwertgefühl dazu. Scheinbar geht das vielen Frauen immer öfters verloren. Daher animiere ich auch zur Selbsterforschung, Selbsterfahrung und natürlich zur Selbstbefriedigung. Aber nicht das schnell hingehuschte Nümmerchen, sondern die ausführlich Beschäftigung mit dem eigenen Körper, denn der hat mehr zu bieten als Loch und Titten, um es mal sehr direkt auszudrücken.

Für die Polyamorie erwarte ich ähnlich wie Sigusch eine deutliche Zunahme. In all den Jahren sind mir immer mehr Frauen untergekommen, die sich nicht nur mit einem Partner zufrieden gegeben haben, sondern durchaus mit mehreren engere Beziehungen pflegten, mal offen, mal verdeckt. Aber immer war die Haupttriebfeder, sich mit allen gut zu verstehen, jedem auf seine Art.

So, und wie zerren wir nun die ganzen (noch) unverständigen Männer mit ins Boot?

Schauen Haustiere beim Sex zu?

Gegen eine erotisierende Wirkung des Zuschauens spricht, dass alle Tiere den Geschlechtsverkehr schamlos und öffentlich vollziehen. Allein der Mensch zieht sich dafür zurück. Würde der Anblick einer Paarung Artgenossen automatisch animieren, wäre das Leben von Herdentieren eine endlose Dauerorgie. Viel mehr wird das Sexualleben der Tiere von Fruchtbarkeitszyklen bestimmt.

(Quelle: WELT am SONNTAG: Ein echtes Tier im Bett)

Vor allem der Satz mit der Dauerorgie hat mir im obigen Text gut gefallen. Dieser Satz zeigt nämlich recht genau auf, was bei den ständigen Tiersex-Dokumentationen meistens unerwähnt bleibt – man kann eben nicht von Tierverhalten auf Menschenverhalten schließen und umgekehrt. Insofern wundere ich mich immer wieder über das große Interesse daran, wenn es doch im Grunde keinen Erkenntnis-Gewinn bringt?

Wenn wir jedoch – im Gegensatz zu den meisten anderen Arten – beim Anblick von sexuellen Handlungen anderer Menschen selbst erregt werden, ist das eine Eigenart unserer Spezies. Allerdings sollten wir als (angeblich) intelligente Art dann aber eigentlich auch in der Lage sein, nicht lautstark den Abbruch dieses Treibens zu fordern, nur weil wir mit unserer eigenen (Köper-)Reaktion nicht umgehen können.

Ich selbst glaube nämlich außerdem nicht daran, dass wir in einer Art Dauerorgie enden würden, wenn wir es denn ebenfalls „schamlos und öffentlich vollziehen“ würden. Dafür haben wir weder die Ausdauer noch die Zeit.

EU-Vergewaltigungs-Studie

In keinem anderen EU-Land werden so viele Vergewaltigungen angezeigt wie in Schweden. Das geht aus einer von der Europäischen Union finanzierten Studie der Londoner Metropolitan-Universität hervor. Ihr zufolge kommen in Schweden auf 100 000 Einwohner 46,5 Vergewaltigungen – so viel wie in keinem anderen der 23 untersuchten Länder.

(Quelle: Hamburger Abendblatt: In Schweden gibt es die meisten Sexualdelikte)

Ohne die Studie zu kennen würde mich schon interessieren, ob in Schweden nur einfach mehr passiert – oder mehr gemeldet wird als in anderen europäischen Ländern?

Denn dann dürften sich andere Länder (u.a. Deutschland) nicht unbedingt auf einen Platz im hinteren Bereich des Rankings freuen …

Frauen sind auch Voyeure – aber anders

(…)

Schliesslich gibt es als Drittens bei den Frauen den «split» zwischen körperlicher und mentaler Erregung. An dieser Spaltung ist bekanntlich bisher auch die Suche nach einem Viagra für Frauen gescheitert: Bei Männern genügt es, die Blutzufuhr im Penis zu stabilisieren, weil die subjektive Erregung damit übereinstimmt. Bei Frauen erwies sich dasselbe Verfahren als nutzlos: Die Durchblutung der Vagina bleibt wirkungslos, wenn die subjektiv wahrgenommene Erregung nicht vorhanden ist.

(…)

«Es ist eine verbreitete falsche Vorstellung, dass Frauen von visuellen Reizen weniger stark erregt werden als Männer.»

(Quelle: Niemand weiss, was Frauen wünschen (Wissenschaft, NZZ Online vom 01.03.2009))

Obiges Erkenntnisse möchte ich gerne unterstreichen. Nach meinen eigenen Erfahrungen sehe ich das nämlich sehr ähnlich. Frauen, die mir anfangs schilderten, das Pornos nicht gar nicht anmachen würden, waren später vom Gesehenen sehr angemacht. Allerdings habe ich mir auch die Mühe gemacht, nicht irgendetwas zu zeigen, sondern schon auf Qualität in Bild, Handlung und Geschlechterverhältnis geachtet – und einen Bezug zu mir hergestellt. Indem ich erklärte, was mir gefällt und ggf. auch nicht gefällt, habe ich das Gezeigte greifbarer und verständlicher gemacht. Man konnte sich gemeinsam daran erfreuen, sei es nun Belustigung, Erregung oder Übereinkunft, zu schrottige Sachen nicht sehen zu wollen.

Und das alles zusammen hat dann in den positiven Fällen zu einer gesteigerten Erregung bei den Damen geführt. Nach meiner Ansicht reicht es ja sowieso nicht aus, eine Dame zwischen den Beinen zu vögeln – zuallererst sollte man sie zwischen den Ohren vögeln. Sprich: ihren Kopf erreichen und erregen, der erfreuliche Rest ergibt sich dann meistens wie von selbst.

Das Putzige daran ist ja, dass der Körper oft früher reagiert als der Kopf. 😉

Hauptsache Frau, Rest egal?

Männer sind wenig wählerisch. Nach Experimenten holländischer Wissenschaftler von der Universität Groningen scheinen Männer schlicht auf jede Frau anzuspringen, die ihnen den Blick kommt – ganz unabhängig davon, wie sie aussieht.

(Quelle: Telepolis: Die männliche Sexlust springt automatisch an)

Hm? Jede Frau? Als Mann auf Frauen anspringen mag ja sein, aber auf jede? Das halte ich für übertrieben. Dazu müsste die Person ja erstmal als Frau erkennbar sein, was heutzutage sowohl durch Unisex-Kleidung als auch durch Unisex-Frisuren gar nicht immer sofort möglich ist.

Gesetzt den Fall, die Schlußfolgerung der Wissenschaftler würde wirklich für alle Männer gültig sein, und nicht nur für die Probandengruppe im Twen-Alter – was würde daraus folgern? Sind wir Männer sehr häufig nur hormonverdrehte Gen-Weitwerfer, die sich mühsam im Alltag zurückhalten müssen? Sind wir nur dem Fortpflanzungsdrang unterworfen, und das Kultur-Gedöns dient eigentlich nur zur Ablenkung, oder weil es ohne das nicht geht?

Bin mal gespannt, wer diese Studie noch medienmäßig ausschlachten wird. Sie hätte das Potential, mal wieder den Affen im Manne zum Hauptverantwortlichen für den Spieltrieb zu machen. Aber ändert das was? Abwarten!