Deichtorhallen: Abstrakter Sex

Nun gab es zwar eine Menge Kunst mit ähnlichen Motiven auf dem Markt, aber Browns Bilder waren doch anders: Sie malte nicht nur Sex, sie tat es auf eine wirklich erstaunliche Weise, denn ihre Bilder waren keineswegs plakativ, sondern bereits auf halbem Wege zur Abstraktion, dabei aber noch gegenständlich genug, um recht genau erkennen zu lassen, worum es dabei ging. Sie wirkten pornografisch, aber waren zugleich voller Expressivität und Energie, erinnerten in ihrem Duktus an Jackson Pollock und an Willem de Kooning und sogar ein wenig an die verstörende Fleischeslust eines Francis Bacon.

(Quelle: Hamburger Abendblatt – Cecily Brown: „Malen ist für mich wie Sex“)

Noch eine interessante Ausstellung, zu der ich gerne in Begleitung gehen würde.

Degas-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle

Er malte und zeichnete Frauen in ihren intimsten Momenten. Doch nie wurde Edgar Degas zum Voyeur. Der Pariser Maler und Bildhauer gab wieder, was er sah, weil er an den Menschen selbst interessiert war. Er studierte die Körperhaltung der Frauen aus geradezu anatomischer Sicht, seien es Ballett-Tänzerinnen, die „Ballettratten“, Huren im Bordell bis hin zu Adels- und Bürgerfrauen bei ihrer Pflege.

(Quelle: Hamburger Abendblatt: Schöne Körper von Edgar Degas)

Dorthin sollte ich mich demnächst mal hin verirren – wer kommt mit?

Pornfilmfestival Berlin 2008: Impressionen

(Text hing monatelang dreiviertelfertig in der Warteschleife – mea culpa)

Gemäß meiner eigenen Ankündigung wollte ich eigentlich zwei Tage auf das 3. PornfilmfestivalBerlin 2008 gehen – leider wurde es am Ende doch nur der Freitag. Man sollte Aufträge mit kritischen Technikanteilen eben doch nicht kurz vorher mal so locker nebenbei wuppen wollen.

Mein Freitags-Programm hatte ich mir bereits in Hamburg auf Basis der Filmbeschreibungen auf der Festival-Webseite und anhand des Zeitplans zusammengebastelt, damit ich möglichst viele interessante und spannende Filme ohne größere „Reisen“ zwischen den drei Festival-Kinos anschauen konnte.

Gemäß obiger Planung habe ich daher von 16 Uhr bis knapp 1 Uhr nachts im Moviemento im Kino 1 gesessen, um im 2-Stunden-Takt Festivalbeiträge zu gucken. Es gab natürlich Pausen zwischen den Filmen, die jedoch in Abhängigkeit von der Filmlänge und der Diskutierfreude des Publikums auch mal auf Null zusammenschnurrten, mehr dazu in der Einzelbesprechung.

Mein Programm bestand aus den folgenden vier Festivalsessions:

16:00 Bacchanale H S X

18:00 SMS Sugarman H NX SW

20:00 The Doll Underground H X

22:00 Ole Ege The Naughty Boy / Pornography-A Musical H X D

(Quelle: Webseite 3. PornfilmfestivalBerlin 2008)

Bacchanale

Bei diesem Film handelte es sich um einen US-Film in bester psychodelischer Filmer-Tradition der 1970er Jahre. Eine Frau schläft, ihr schlafendes Ich entfleucht in der Nacht und durchlebt Schönes und weniger Schönes. Ein Film übrigens ganz ohne Dialoge.

Der Film war mit sehr viel Symbolik vollgestopft, so daß der minimale Handlungsfaden für mich nicht immer klar erkennbar war. Die Sexszenen waren sparsam gesetzt, dafür explizit mit Großaufnahmen durchsetzt und gut in den Handlungsrahmen eingebaut – sofern vorhanden, siehe oben. Ich habe mir diesen Film vor allem als Zeitdokument angesehen und weniger als Sexfilm, was er im Grunde auch nicht war. Es gab Spielhandlung, und es gab Sex-Handlung. Eigentlich gar nicht so wild, aber für eine Festivalteilnahme reichte es aus. 😉

SMS Sugarman

Dieser komplett mit Handy-Kameras gedrehte Film von Aryan Kaganof zeigte die Geschichte eines Zuhälters und den drei für ihn arbeitenden Prostituierten. Explizite Sexszenen gibt es nicht, was aber auch nicht nötig war, da es ja ein Film über Sexworker war.

Dargestellt wurde vor allem, wie der Umgang der vier miteinander in diesem Geschäft stark von Mißtrauen und Geldgier geprägt ist. Die Verzweiflung der Handelnden war streckenweise sehr greifbar, und der Schluß war daher umso überraschender.

Insgesamt aus meiner Sicht ein Film mit interessanten Anteilen, wenig Höhen aber auch wenig Tiefen. Ganz OK.

The Doll Underground (Achtung, Seite lädt sofort Film-Ausschnitt!)

Bei diesem US-Film gab es einführende Worte eines Moderators, der darauf verwies, daß der Regisseur Eon McKai und einer der Hauptdarstellerinnen direkt im Anschluß an den Film noch Fragen beantworten würden.

Das Kino war nun deutlich voller als bei den voran gegangenen zwei Filmen, was einerseits wohl am Termin lag (Freitag abend, 20 Uhr, beste Kinozeit), und andererseits vermutlich an der Filmankündigung, die einen expliziten Alternativ-Porno ankündigte. Jedenfalls hatte ich den Text so verstanden. Das Kino wurde voller und voller, einige Zuschauer mussten sich bereits auf den Boden setzen, eine Frau rechts von mir nahm sogar Platz auf der Pfandflaschenkiste.

Der Film selbst hatte einen losen Handlungsrahmen, der jedoch für meinen Geschmack durch die viel zu langen Sexszenen zu stark in den Hintergrund rückte. Immerhin war der Film optisch gut gemacht, die Kameraführung war sehr gut, auch die Beleuchtung zeugte von professionellem Können. Bloß die Sexszenen … Mit jeder weiteren dieser Szenen wurden sowohl ich als auch das andere Publikum unruhiger. Nicht weil uns der Film so anmachte – sondern weil er eher abregte.

War die erste lesbische Teenager-Szene im Zug noch originell und lecker in Szene gesetzt, war der Treppenhaus-Fick des Hetero-Pärchens schon ohne auslösendes Moment einfach so entstanden. Zwar war die Frau gut in Action, aber der Mann agierte einfach nur in der Dauerrammel-Stecherrolle. Der finale Sperma-Abschuß auf die Frau in dieser Szene sorgte dann auch schon für (ungläubiges?) Raunen im Publikum – vermutlich, weil wir alle das nicht als „alternativ“ einstuften.

Auch alle weiteren Szenen zeigten dann das gleiche Raster – Frauen blasen die Männer, die Männer fummeln mal ein bisschen an der Möse herum, lecken vielleicht auch ein wenig die Frauen, und ansonsten rammeln sie einfach mal bis der Arzt kommt und zeigen am Ende den branchenüblichen Abspritzer.

Der peinliche Höhepunkt war dann die längliche Masturbationszene der anwesenden Darstellerin, bei sie mindestens 15 Minuten mit Fingern und schwarzem Dildo an sich herummachte, bevor sie kam. Gemäß der späteren Frage-und-Antwort-Runde hatte sie einen echten Orgasmus, und ihr waren keine Vorgaben für die Umsetzung gemacht worden. Mag ja sein. Technisch ok, nett gefilmt war es auch.

Es war bloß irgendwann langweilig, dieser Frau beim Masturbieren in Echtzeit zuzuschauen, während Fabriklärm um sie herum erschallt. Ich fing schon an, Witze mit meinem Nachbarn zu machen, der wiederum mit der (ihn nicht begleitenden Frau) zu seiner Linken Witze machte.

Auffällig war auch die vergleichsweise hohe Anzahl von Zuschauern, die bereits während des Films aufstanden und das Kino verließen – da es sich um ein kleines Kino handelte, rannte jeder einmal sichtbar durch die Reihen, um dann nochmals direkt vor dem Projektor Richtung Ausgang zu laufen.

Nach 112 Minuten Film wurden wir dann vom Abspann erlöst. Die allererste Frage Richtung Regisseur kam von einer Frau, die einerseits den Film als Ganzes lobte, aber gleich darauf verwies, wie konventionell doch die Sexszenen aus ihrer Sicht gewesen wären.

Damit traf sie deutlich den Nerv der meisten Anwesenden, hatte ich den Eindruck. Seine Antwort fiel sehr interessant aus – während man in Europa als zu konventionell gelte, würde man sie in den USA eher als „Bastards“ bezeichnen.

So ähnlich sehe ich das auch – was in den USA unter „alternativ“ läuft, ist zwar dort Subkultur, aber beim Porno doch so durchschnittlich und angepasst, daß es wohl eher den dortigen alternativen Zuschauern gefällt, während der Rest der Welt sich langweilt ob der Angepasstheit an den Mainstream-Porno.

Beim Rausgehen ergab sich noch eine kleine Diskussionsrunde mit einigen anderen Zuschauern. Zwei Frauen beklagten, wie wenig sie der Film angemacht hätte. Eine kannte die Filme dieses Regisseurs sogar so gut, daß sie betonte, wie oft er doch den gleichen Fehler machen würde. Seine zu langen Sexszenen würden die Filmhandlung immer regelrecht zerreissen, anstatt sie zu unterstützen. Seine Kurzfilme wären da deutlich besser, weil dort die Sexszenen kurz und knackig wären. Und die andere Frau war die von der Pfandflaschenkiste – sie erzählte, daß sie viele Zuschauer beim Pennen oder Dösen gesehen hatte von ihrer seitlichen Sichtposition.

Leider wurden wir dann aus dem Kino 1 rauskomplementiert, da wir bereits 30 Minuten in die Auführungszeit des Folgefilms reingerasselt waren – nämlich der hier drunter stehende. 😉

Ole Ege – The Naughty Boy (leider erst soeben geschrieben, daher nicht mehr vollständig im Kopf präsent)

Eines gleich vorweg – das war die schönste Session meines freitäglichen Film-Marathons! Aber der Reihe nach.

Eine Dame, die sich leider persönlich nicht vorstellte, moderierte die Filme richtig schön umfassend an. Das hatte den Hintergrund, dass auch hier ein Filmemacher persönlich anwesend war und nach dem Film noch für die Beantwortung von Fragen bereitstand. Allerdings war der ehemalige dänische Sexfilm-Regisseur Ole Ege selbst der Gegenstand der Dokumentation, und nicht ihr Macher.

Mir hat die die Doku sehr gefallen, da sie sowohl sein zeitlichen Umfeld der 60er Jahre als auch seine Filme und seine Motivation mittels reingeschnittener Interview-Schnipsel vorstellte. Nach der Doku liefen dann einige seiner damaligen Kurzfilme, die auf ihre Art eigentlich ganz putzige Sexfilmchen waren. Nicht durchgestylt, nicht perfekt gemacht, einfach nur vögelnde Menschen.

Das habe ich ihn auch gefragt in der anschließende Diskussion – ob die Darsteller da alle noch mehr Spaß dran gehabt hätten, vor der Kamera zu agieren? Das bejahte er, es waren ja alles keine Profis, sondern durchschnittliche Menschen aus allen Berufen, die er vor die Kamera bekam.

Was deutlich rüberkam, war sein anderer Ansatz, Sexfilme zu drehen. Nicht gelackt und abgehoben, sondern einfach gemacht und mit viel Freude am Spiel. Das war dann wohl auch der Grund, warum sowohl die Moderatorin als auch viele der Zuschauer sich wünschten, dass Ole Ege wieder in die Porno-Industrie einsteigen würde, die er 1972 freiwillig aus Gewissensgründen verlassen hatte.

Trotz seines hohen Alters machte er noch einen agilen Eindruck und hat hat souverän auch nach um halb 1 noch alle Fragen geduldig beantwortet. Das hat mir mit am meisten Spaß gebracht – es ging um die Sache, und nicht um die Show.

Fazit

Es war leider nur ein Festival-Tag, aber dafür ein sehr intensiver. Nächstes Jahr werde ich besser vorbereitet sein, und ich werde mir vor allem dafür mehr Zeit nehmen und nicht anderweitig verplant sein.

Wer kommt mit? 🙂